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FidoNet

FidoNet ist ein privates, internationales Rechnernetzwerk, das derzeit aus ungefähr 30000 Rechnern ("Nodes") besteht. Prinzipiell handelt es sich dabei um eine Store&Forwarding Technologie (wie beim Usenet), dh es muss keine ständige Verbindung (so wie dies beim Internet der Fall ist - zumindest zwischen den Internet-Hosts) zwischen den Rechnern vorhanden sein, sondern es wird nur zeitweise (meist in der Nacht, wenn das Telefonieren billiger ist) eine Verbindung zwischen einigen dieser Rechner aufgebaut (meist mit Modem über das normale Telefonnetz), um dann möglichst rasch die zu übertragenden Daten weiterzuschicken.

Das FidoNet stellt hauptsächlichen die beiden Dienste Net-Mail (e-mail) und Echo-Mail (News) zur Verfügung. Weiters sind auch noch Filerequests (ähnlich ftp) möglich, wobei es dabei allerdings erforderlich ist, direkt beim anbietenden Node anzurufen - routed Filerequests sind nicht möglich.

In einigen FTS-Dokumenten (FidoNet Technical Standard) ist beschrieben, wie die Verbindung zwischen zwei Fido-Nodes aufgebaut wird und wie der Mail-Transfer abläuft. Darüber hinaus legen diese Dokumente auch noch fest, wie Echo- und Net-Mail zu verarbeiten (dh zu routen) sind. Allerdings muss dazu noch gesagt werden, dass die Standard-Dokumente nicht mehr zeitgemäß sind - es wird zB noch von Modemübertragungsraten von max. 2400 Baud ausgegangen. Daher gibt es aufbauend auf FTS auch noch sogenannte FSC-Dokumente, die einen Standard-Vorschlag enthalten - in der Praxis sind diese Dokumente mit dem Wissen, welche davon wirklich verwendet werden, von größerer Bedeutung als die veralteten Standards.

Geschichte des FidoNet

Im Frühjahr '84 wurde es vom heutigen Apple-Programmierer Tom Jennings und einem Freund gegründet. Zwei Monate später war es bereits auf 60 Rechner angewachsen.

Österreich ist seit 13. November '87 als Region 31 Bestandteil von FidoNet. Die erste österreichische Mailbox, die den Fido-Net-Betrieb aufnahm, war "Another Node" (2:31/1.0, betrieben von Werner Berghofer). In kurzem Abstand kamen die damalige "TGM-Mailbox" (Sysop: Werner Illsinger), "Files & Database" (Sysop: Thomas Gaspar) und "Cuckoo's Nest" (Sysop: Werner Schlagnitweit) dazu. Wesentlichen Anteil an der Aufbauarbeit in Österreich hatte Rudolf Stricker, München (2:507/414.0 T-Bus).

Hierarchie

FidoNet ist unterteilt in Zones, Regions, Networks und Nodes. Eine FidoNet-Zone ist einem Kontinent, eine Region einem Land bzw. einem Staat und ein Network einem Bundesland oder einem Bezirk gleichzusetzen. Die kleinste Einheit von FidoNet sind die einzelnen Rechner, die FidoNet-Nodes. Jeder dieser Nodes hat eine eindeutige numerische Bezeichnung, eine "Matrix-Adresse". So sehen verschiedene Matrix-Adressen in voller Schreibweise aus:

1:135/20.0, 2:31/1.0, 2:310/2.0, 3:748/56.0, 4:61/12.0

Das allgemeine Format ist Zone:Network/Node.Point. Derzeit sind in der FidoNet-Topologie Zone 1 (USA), Zone 2 (Europa), Zone 3 (Australien) und Zone 4 (Südamerika) definiert. Zones bestehen aus Regions, Regions bestehen aus Networks, die von Nodes geformt werden. Zone-Nummern sind immer einstellig, Region-Nummern zweistellig, Network-Nummern in der Regel drei- oder vierstellig. Nodenummern können bis zu fünfstellig sein. Ein Node ist immer gleichzeitig "Point Null".

technische Realisierung

Wie schon in Abschnitt 1 erwähnt, handelt es sich beim FidoNet um ein Store&Forwarding-Network, dh es ist ähnlich dem unter Unix üblichen UUCP. Der Hauptunterschied liegt wohl in der Adressierung der Systeme, die bei UUCP über symbolische Namen, beim FidoNet jedoch über die bereits in Abschnitt 1.2 erwähnten Adressen geschieht. Weiters wird wöchentlich eine Nodeliste verteilt, die alle Nodes mit Adresse und Telephonnummer erfasst. Diese Nodelist ist vergleichbar mit dem DNS-Dienst im Internet, allerdings mit dem Unterschied, dass es sich bei DNS um eine verteilte Datenbank handelt, eine Nodeliste allerdings auf jedem Rechner vorhanden ist (evtl in gekürzter Form) - dafür ist die Nodelist auch etwas kleiner.

ifmail/ifcico

Ifmail ist ein von Eugene Crosser entwickeltes FidoNet-Programm (eigtl handelt es sich dabei um ein Internet-FidoNet Gateway) für Unix. In weiterer Folge will ich jedoch nur auf einen Teil des Programms eingehen, nämlich auf ifcico, einen FidoNet-Mailer (im FidoNet wird die Bezeichnung Mailer für ein Programm verwendet, das Daten zwischen zwei Systemen übertragt).

ifcico

Ifcico ist die Abkürzung für Internet-Fido Copy-In Copy-Out, es handelt sich also dabei um ein Programm, das Daten zwischen zwei Rechnern überträgt. Dass im ersten Teil des Namens das Wort Internet vorkommt, hat nur den einen Hintergrund, da es sich bei dem gesamten Paket (ifmail) um ein Internet-Fido-Gateway handelt.

Prinzipiell lässt sich eine Fido Mail-Session in zwei grobe Teile unterteilen: das Session-Handling und den File-Transfer. Auf diese beiden Teile werde ich weiter unten noch etwas genauer eingehen.

Nodelist

Ifcico unterstützt derzeit zwei grundsätzlich verschiedene Nodelist-Indices - einerseits auf den Standard-Unix Libraries (g)dbm bzw db basierende b-Bäume - andererseits eine Eigenentwicklung, die auf dem Hashing-Verfahren (sollte von der VL Prog 2 als Streuspeichertechnik bekannt sein) basiert. Der Vorteil der letztgenannten Implementierung ist sicherlich die Tatsache, dass dadurch der Nodelist-Index wesentlich kleiner wurde und auch das Indizieren der Nodelist deutlich beschleunigt werden konnte. Dies konnte vor allem deswegen erreicht werden, weil die (g)db(m)-Libraries in der Implementierung doch sehr allgemein gehalten wurden und nicht speziell für solche Aufgaben optimiert sind.

EMSI-Protokoll

EMSI steht für Electronic Mail Standard Identification und definiert den Ablauf, wie zwei Fido-Systeme Handshake-Informationen (konkret sind das AKAs (Also Known As), Paßwörter, diverse Systeminformationen und Flags) gegenseitig austauschen - EMSI übernimmt also das Session-Handling. Hier wird auch festgelegt, welches Protokoll für die File-Transfers verwendet wird.

Hydra-Protokoll

Telefonleitung (ISDN natürlich auch) sind so beschaffen, dass nicht nur in eine Richtung Daten übertragen werden können, sondern es können in beide Richtungen gleichzeitig Daten übertragen werden. Bestenfalls kann so die Übertragungszeit also halbiert werden. Hydra ist ein solches bidirektionales File-Transfer Protokoll, das speziell für die Übertragung im FidoNet (dh va über Modems) entwickelt wurde.

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Last modified: Thu Mar 02 17:26:08 2000
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